Vergleich Pflege - Adoption

Pflege und Adoption haben gemeinsam, dass ein fremdes Kind in eine neue Familie kommt. Beide Formen unterscheiden sich jedoch vor allem in ihrer rechtlichen Konstruktion ganz wesentlich voneinander:

Pflege

-  Ein Pflegekind bleibt rechtlich gesehen das Kind seiner Eltern, lebt aber in einer Pflegefamilie. Es hat zwei Familien,

   denen es sich verbunden fühlt.
-  Das Sorgerecht verbleibt grundsätzlich bei den leiblichen Eltern. Können die Eltern die elterliche Sorge nicht mehr
   ausüben, wird sie ganz oder teilweise einem Vormund übertragen. Allerdings haben die Pflegeeltern die

   Entscheidungsbefugnis in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes, wenn das Pflegeverhältnis länger

   andauert.
-  Pflegekinder leben auf Dauer, d.h. bis maximal zum 21. Lebensjahr, oder zeitlich befristet in einer Familie.
-  Die Pflegeeltern erhalten staatliche finanzielle Unterstützung für den Unterhalt des Kindes und für ihren

   erzieherischen Einsatz.
-  Die Einbeziehung der Herkunftsfamilie ist fester Bestandteil der Hilfeplanung – in der Regel finden Kontakte zum

   Kind, zur Pflegefamilie, zum Pflegekinderdienst und zum Jugendamt statt. Der Kontakt zu den leiblichen Eltern

   ermöglicht dem Kind ein realistisches Bild seiner Herkunft.
-  Wer ein Pflegekind aufnehmen möchte, muss nicht verheiratet sein. Auch Alleinstehende und unverheiratete oder

   gleichgeschlechtliche Paare (Partner werden gleichberechtigt behandelt) können ein Pflegekind aufnehmen.
-  Das Alter der Pflegeeltern und das des Kindes sollten bei einer dauerhaften Unterbringung etwa dem natürlichen

   Altersabstand zwischen Eltern und Kindern entsprechen. Aber auch mit über 40 Jahren kann man noch Säuglinge

   und Kleinkinder bei sich aufnehmen.
-  Für die Betreuung von Pflegekindern braucht man seinen Beruf nicht vollständig aufzugeben – eine

   Teilzeitbeschäftigung ist möglich.
-  Pflegeeltern müssen ihre alltäglichen Herausforderungen nicht alleine lösen. Auch nach der Aufnahme eines

   Pflegekindes wird die Pflegefamilie durch das Jugendamt und den Pflegekinderdienst beraten und begleitet.
-  Es gibt deutlich mehr Kinder, die in einer Pflegefamilie aufwachsen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben

   werden.

-  In der Regel dauert das Aufnahmeverfahren einige Monate, bis ein Kind in Pflege genommen werden kann.

Adoption

-  Die "soziale Elternschaft" für ein fremdes Kind wird mit der Adoption auf Lebenszeit übernommen. Damit

   einhergehen das Sorgerecht der Adoptiveltern sowie deren Unterhaltspflicht gegenüber dem Kind.
-  Das Kind nimmt den Nachnamen der Adoptivfamilie an und ist mit seiner Herkunftsfamilie nicht mehr verwandt.
-  Wer gemeinsam ein Kind adoptieren möchte, kann das nur als Ehepaar tun. Auch kann ein Ehepartner ein Kind

   seines Ehegatten adoptieren (Stiefelternadoption). Wenn ein Paar nicht verheiratet ist, kann es nicht

   gemeinschaftlich ein Kind adoptieren. Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Paare einer eingetragenen

   Lebensgemeinschaft. In beiden Fällen kann nur einer der Lebenspartner das Kind annehmen. Auch Alleinstehende

   können ein Kind adoptieren.
-  Es muss ein Mindestalter von 25 Jahren erreicht worden sein. Bei Ehepaaren muss einer der beiden Partner 25, der

   andere mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Höchstalter hingegen ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Für ein gutes

   Eltern-Kind-Verhältnis sollte der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind jedoch nicht mehr als 40 Jahre

   betragen.
-  Nach erfolgter Adoption bietet die Adoptionsvermittlungsstelle den Adoptiveltern Beratung und Unterstützung in

   allen Fragen an, die das Kind und die Adoption betreffen.
-  Zurzeit dauert ein Adoptionsverfahren etwa zwischen zwei und sieben Jahren.